London-Stipendium 2017
an Karl-Heinz Ott

  • Karl-Heinz Ott mit Wend Kässens

  • Karl-Heinz Ott, Wend Kässens und Wilfried F. Schoeller

  • Ulf Stolterfoht, London-Stipendium 2015

  • Daniela Danz, London-Stipendium 2016

  • Karl-Heinz Ott © Peter-Andreas Hassiepen

  • London

Das London-Stipendium des Deutschen Literaturfonds wird 2017 Karl-Heinz Ott zugesprochen.

Kooperationspartner ist das Queen Mary College der University of London.

Das Stipendium wurde am Abend des 17. November im Rahmen der Verleihung des Kranichsteiner Literaturpreises in Darmstadt symbolisch überreicht.

Der Jury gehören Maike Albath, Wilfried F. Schoeller und Christine Wahl an.

Begründung der Jury

Vier Nachkommen sitzen um eine Leiche herum und harren der Dinge, die eintreten sollen und die besprochen werden müssen. Eine Art Landstreicher, ein Fernsehmacher, ein Alternativler und Aussteiger und eine regsam praktische Frau, allesamt Geschwister, bilden den Gesprächs- und Erinnerungsraum eines bisweilen schwarzfigurigen Familienromans, dessent-wegen wir Karl-Heinz Ott mit dem London-Stipendium des Deutschen Literaturfonds auszeichnen. Das Quartett ist in aller Routine gründlich miteinander zerstritten, aber in den Stunden, in denen der Roman spielt, muß es notdürftig miteinander auskommen. Es versammelt sich um den frisch verstorbenen Vater und wartet auf die Testamentseröffnung. Es geht natürlich um Handgreifliches: die Verteilung des Erbes und um den Kampf gegen die sogenannte „ungarische Hure“, eine Pflegerin, die dem Alten die letzten Jahre versüßt hat und nun eine Gegenleistung erwarten kann. Ein komisches Kammerspiel ist also dieser Roman. Doch hat Karl-Heinz Ott die große Gabe, während er die Instinkte, die Berechnung und die mühsam versteckten Leidenschaften köcheln läßt, gleich von allem anderen mit zu erzählen. Himmel und Hölle setzt er spielerisch in Bewegung, Erinnerungen an die süddeutsche Provinz von den Fünfzigern bis in die Siebziger breiten sich aus, philosophische Splitter funkeln wie Trouvaillen von Heiterkeit und Trauer, Gedankenmusik schlägt Kapriolen, eine Gesellschaft schräger Typen hat sich versammelt, parliert unaufhörlich im Kreuz und Quer, treibt ein munteres Redeunwesen. Die listenreiche Neugier des Erzählers gilt dem Stimmungswechsel von komisch hohem Ton und boulevardesker Komödie.

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien

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