Kranichsteiner Literaturpreis

Seit 1983 vergibt der Deutsche Literaturfonds den Kranichsteiner Literaturpreis. Ursprünglich dotiert mit 15.000 DM und ausgestattet mit einer kleinen Bronzeplastik des Darmstädter Bildhauers Gotthelf Schlotter, hat der Preis eine wechselvolle Geschichte erlebt. Vom öffentlichen Lese-Wettbewerb unter dem Titel "Kranichsteiner Literaturtage" ging man 1990 zu einem zweitägigen Workshop mit zehn Autorinnen und Autoren über. Im Jahr 1999 fanden die Kranichsteiner Literaturtage zum letzten Mal nach diesem Modus statt.
Seit 2002 ist der Preis mit 20.000 Euro dotiert und wird nun nach einem Verfahren verliehen, das die Stipendiatinnen und Stipendiaten des Literaturfonds in den Mittelpunkt stellt: Eine interne Jury - derzeit Dagmar Leupold, Gregor Dotzauer und Wend Kässens - wählt die Preisträgerinnen und Preisträger ausschließlich aus diesem Kreis aus. Damit hat künftig jede/r erfolgreiche Bewerberin bzw. Bewerber um ein Stipendium zusätzlich die Chance, den Kranichsteiner Literaturpreis oder das New-York-Stipendium zu erhalten.

Der Schriftsteller Gerd-Peter Eigner erhielt den Kranichsteiner Literaturpreis 2009 für sein Werk, insbesondere seinen 2008 erschienenen Roman "Die italienische Begeisterung". Damit knüpft er an seine großen Romane "Golli", "Brandig" oder "Mitten entzwei" an. Er erzählt raffiniert und abgründig von der Wiederbegegnung zweier ehemaliger Klassenkameraden im Alter. Vor dem Hintergrund des gelebten Lebens entfaltet sich in ihren Erinnerungen ein Netz aus Projektionen, Phantasmen, Verstrickungen, Verdrängungen und gegenseitigen Abhängigkeiten.
Gerd-Peter Eigner, 1942 in Malapane/Oberschlesien geboren, lebte in verschiedenen Städten und Ländern, bevor er sich wieder in Berlin und in Olevano bei Rom niederließ.
Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde ihm am 28. November in Darmstadt verliehen. Die Laudatio hielt der Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Ulrich Horstmann. Außerdem wurden Kurt Drawert ("Ich hielt meinen Schatten für einen anderen und grüßte") mit einem 10-wöchigen Stipendium im Deutschen Haus der New York University und Kai Weyand ("Schiefer eröffnet spanisch") mit einem 10-wöchigen Stipendium am Queen Mary College der University of London ausgezeichnet.

Den Kranichsteiner Literaturförderpreis des Jahres 2009 erhielt der in Leipzig lebende Autor Andreas Stichmann.

Empfänger des Kranichsteiner Literaturpreises sind

1983  Rainald Goetz
1984  Adelheid Duvanel
1985  Helga M. Novak
1986  Anne Duden
1987  Wolfgang Hilbig
1988  Klaus Hensel
1989  Thomas Strittmatter
1990  Josef Winkler
1991  Herta Müller
1992  Ludwig Fels
1993  Jan Faktor
1995  Hansjörg Schertenleib
1996  Burkhard Spinnen
1997  Birgit Vanderbeke
1998  Thomas Meinecke
1999  Lutz Seiler
2001  Wilhelm Genazino
2002  Ralf Rothmann
2003  Reinhard Jirgl
2004  Peter Kurzeck
2005  Martin Mosebach
2006  Sibylle Lewitscharoff
2007  Paul Nizon
2008  Gerhard Falkner